Luftikuss
des Monats Januar 2008
Philipp Hill, Stadtrat Stuttgart (CDU)
Laudatio
„Herr Hill ist ein Luftikuss par excellence“,
so Jury-Sprecherin Gretel Quiring über das einstimmige Votum. Denn überall,
wo in Stuttgart Grün- und Freiflächen, Frischluftschneisen und
Naherholungsräume der Bebauung geopfert werden sollen, sagt CDU-Stadtrat
Philipp Hill unisono für die bürgerliche Mehrheit aus CDU, FDP und Freien
Wählern: „Ja“!
Feuerbacher Heide (Parlerstraße), Frischluftschneise Nord (Thomastraße),
Streuobstwiesen (Rohrer Weg Möhringen), Naherholung (Rommelshauser Straße
Bad Cannstatt) – der Luftikuss hebt die Hand fürs „Häusle im Grünen“.
(> Erläuterung 1)
Sein Standardargument ist das Schreckensbild einer entvölkerten Stadt: „Ohne
Bauflächen verliert Stuttgart noch mehr Einwohner.“
„Dass Menschen abwandern, weil es etwa immer weniger Naherholung gibt, die
diesen Namen auch verdient, scheint ihm noch nie in Sinn gekommen“, glaubt
die Jury.
(> Erläuterung 2)
Unser Luftikuss, gelernter Industriekaufmann und als Programmierer
beschäftigt, weiß alles besser, etwa beim Stadtklima. Fachleuten, die meist
anderer Meinung sind als er, spricht er die Kompetenz ab. Er definiert sogar
meteorologische Einheiten neu: Aus „Bar“ (= Luftdruck) wird bei Hill „vertretBar“.
Eingriffe mit 12 Häusern ins Naherholungsgebiet Rommelshauser Straße sind
für den Luftikuss - na was wohl? –
vertretBar! „Letztlich wird alles
vertretBar, wenn
man es nur stur genug vertritt“, lobt die Jury.
Ein „Luftikuss des Monats“ an CDU-Stadtrat Hill hält die Jury auch aus einem
anderen Grund „vertretBar“:
Gegenüber der Bürgerinitiative Frischluft für Cannstatt hat er sich als so
genannter „Klimaskeptiker“
geoutet.
Hill verschenkt Video-CDs, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse zum
Klimawandel und dessen Ursachen in Frage gestellt werden. Hills
Märchenbotschaft: Nicht Mensch und
Kohlendioxid, sondern allein die Sonne erwärmt den Globus, und das war schon
immer so. Unglaublich, aber unwahr!
(>Erläuterung 3)
Das Preisgericht hält den Christdemokraten Philipp Hill für einen würdigen
ersten Luftikuss-Preisträger. Als
Stadtrat und Mitglied im UTA-Ausschuss, der unter anderem über kommunalen
Klimaschutz und damit über das Wohl von 591.000 Stuttgartern entscheidet,
hält es Herrn Hill durch seine offensichtliche Verneinung von Fakten und
Daten zum Klimawandel dagegen nicht mehr
länger „vertretBar“.
Erläuterung 1
Alles ist endlich. Auch die Freiflächen und Naturräume in Stuttgart (und
seiner Region). In Zeiten des Klimawandels sollte der Bürger davon ausgehen
können, dass Politiker diese Rückzugsgebiete für Mensch und Natur konsequent
schützen. Von wegen: CDU (mit Luftikuss Hill), FDP und Freie Wähler agieren
seit Jahren als Betonfraktionen, die gegen den Willen der Bevölkerung vor
Ort und gegen den Rat von Experten die erwähnten Natur- und Grünzonen zu
Baugebieten umwandeln wollen. Diese Politik ist weder nachhaltig noch
notwendig, sie dient allein der Durchsetzung von Einzelinteressen. Die
Geschichte der bedrohten Gebiete und die Politik von CDU, FDP und Freien
Wählern ist nachzulesen auf folgenden Internetseiten:
>
www.rohrer-weg.de (Infos zur
Bebauung Rohrer Weg, Möhringen
>
www.bif-nord.de
(Bürgerinitiative Frischluftschneise Nord)
>
http://stuttgart.blogger.de/
(Grünflächen
an der Feuerbacher Heide massiv bebauen zu lassen, Ecke Parlerstraße/Am
Tazzelwurm. Aufstellung Bebauungsplans ist bereits beantragt)
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Erläuterung 2
"Einwohnerzahl" und "Wohnungsbau" - zwei Schlagworte, anhand derer sich die
unglaubliche Interpretationsfähigkeit der Politiker zeigt.
Im Jahr 2002 veröffentlichte das Statistische Amt der Stadt Stuttgart eine
Einwohnerprognose für die nähere Zukunft. Tenor: aufgrund des demografischen
Wandels - weniger Geburten, überalterte Gesellschaft - werde die
Einwohnerzahl Stuttgarts stetig sinken, und bis zum Jahr 2015 auf den Stand
von 1954 zurückgehen.
Der logische Menschenverstand kommt zum Schluss: weniger Einwohner gleich
weniger Wohnraumbedarf.
Anders der Erste Bürgermeister Michael Föll (CDU). Er will den
Einwohnerschwund durch den Bau von 20.000 Wohnungen bis zum Jahr 2020
aufhalten. Jährlich sollen 3.000 Wohnungen gebaut werden. Den Platz dafür
findet Föll in Frischluftschneisen und Grünflächen (so seine
Vorschlagsprüfliste, die auch die Rommelshauser Straße als bebaubar
empfiehlt). Bauen auf Teufel komm raus, das ist aus seiner Sicht legitim,
denn weniger Einwohner bedeutet weniger Steuereinnahmen und
Steuerzuwendungen. "Luftikuss Hill" argumentiert genau in diese Richtung.
Doch wo sollen die Bewohner dieser Wohnungen herkommen, in einer per saldo
schrumpfenden Gesellschaft? Zumal in der Region Stuttgart fast alle
Gemeinden Ähnliches aus gleichen Motiven vorhaben! Droht uns da nicht in
Zukunft eine "deutsche Immobilienkrise", ein Überangebot an Wohnraum aus
demografischen Gründen?
Wie dünn Fölls, Hills & Co's Argumentationsbasis ist zeigen die aktuellen
Einwohnerzahlen:
Die Stadt
Stuttgart hat im Jahr 2007 ganze 34 Einwohner hinzugewonnen. Damit waren zum 31.
Dezember 2007 insgesamt 591.578 Personen in Stuttgart gemeldet. Im Jahr 2006
hatte die Landeshauptstadt einen Verlust von 485 Personen zu verzeichnen. (>
Statistisches Amt Stadt Stuttgart
)
Dennoch haben wieder viele Stuttgarter die Flucht ins unmittelbare Umland
angetreten: Mehr als 3.700
Stuttgarter sind im letzten Jahr in den Kreis Esslingen gezogen,
mehr als 3.600 in den Kreis Ludwigsburg, 2.200 in den Kreis Waiblingen und
1.700 in den Kreis Böblingen. Der städtische Statistiker Thomas Schwarz: "Nach wie vor
verlassen junge Familien die Stadt, aber auch ältere Menschen ziehen weg
- die meisten von ihnen in einen Umkreis von nur fünf Kilometern
außerhalb der Stadtgrenze. Es ist kein Wunder, dass die Pendlerströme
immer länger werden." Täglich seien mehr als 200.000 Pendler unterwegs,
die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze liege gegenwärtig
bei mehr als 340.000. (Quelle StZ)
Junge
Familien verlassen aus 2 Gründen die Stadt:
1. außerhalb Stuttgarts ist Wohnraum günstiger
2. außerhalb Stuttgarts gibt es mehr Grün
Föll und Hill wollen Stuttgarts Grünflächen für Familien zur Bebauung
freigeben. Was erreichen Sie damit?
Nichts, weil
1. diese Baugrundstücke kein Schnäppchen sind (stadtnah und im Grünen
hat seinen Preis)
2. noch mehr Grün und damit Lebensqualität zerstört wird.
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Erläuterung 3
Philipp Hill sucht wie
jeder Stadtrat den Kontakt zum Bürger. Umgekehrt hat ein BI-Mitglied im
Dezember 2007 den Kontakt zu Hill gesucht, um ihn von der Schutzwürdigkeit
von Frischluft- und Grünschneisen zu überzeugen. Das ist bislang leider
nicht gelungen. Am Ende der Bürgersprechstunde überreichte Hill eine
Video-CD mit dem Titel "Klimawandel. Ursache: Sonne oder CO2?" mit dem
Hinweis, sich diese doch mal genauer anzuschauen. Das haben wir gemacht -
und waren ziemlich erstaunt:
Bei der TV-Reportage über den Klimawandel,
die Philipp Hill auf CD verbreitet,
handelt
sich um eine ursprünglich englische Produktion. Die überarbeitete
deutsche Version unter dem Titel "Der Klimaschwindel" stellt den
menschverursachten Klimawandel mit Hilfe verschiedener, für ihre Aussagen bekannten "Experten" in Frage. Gezeigt wurde der Beitrag in
Deutschland im Sommer 2007 auf RTL und ntv, teilweise hat sich auch "Report
München" daraus zum gleichen Thema bedient.
Journalisten
und Wissenschaftler haben viele Aussagen darin im Nachhinein als missverständlich und
falsch entlarvt.
   |
| Die CD des Anstoßes |
Screenshots vom
Klimaschwindel, gesendet auf n-tv |
So schrieb die "Süddeutsche Zeitung":
"Klimaabend auf
RTL: Der große Schwindel
Ein RTL-Abend zum Klimawandel will
gesellschaftlichen Dialog anstiften, bringt aber vor allem viel Verwirrung.
Im Mittelpunkt: Eine britische Dokumentation voller Fehlinformationen."
Den vollständigen, sehr aufschlussreichen Artikel im Online-Portal der
Süddeutschen
>hier : (http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/281/118149/)
Wie die
"Klimaexperten" der Reportage die Öffentlichkeit verschaukeln beschreibt
Stefan Rahmstorf, Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für
Klimafolgenabschätzung >hier
www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html
  
Umstrittene Klimaexperten kommen zu Wort
Wer zu den Namen der
darin auftretenden "Experten" googelt, wird selbst schnell fündig- und siehe da, die Doku und ihre
Falschaussagen sind auf etlichen Internetseiten thematisiert. So wird
z.B.der im Film auftretende Metereologe Gerd-Rainer Weber im Internet als
Öffentlichkeitsarbeiter und Lobbyist entlarvt.
Weber ist langjährig tätig für den Gesamtverband des Deutschen
Steinkohlebergbaus. Wen wunderts, dass er den Klimawandel durch CO2 als
Hirngespinst abtut.
  
Auch der
Meterologe
Wolfgang Thüne (re.) wird
im Internet näher beleuchtet. Der Wissenschaftsjournalist Udo Leuschner
veröffentlichte folgenden Beitrag >
hier unter
http://www.udo-leuschner.de/rezensionen/re9808thuene.htm
Wir zitieren:
"Thüne kokettiert noch heute
mit seiner Vergangenheit als ZDF-Wetterfrosch. So zeigt ihn die Rückseite
des vorliegenden Buches, wie er in jugendlicher Frische vor der
ZDF-Wetterkarte steht, mit der rechten Hand auf ein Tief über dem
Nordatlantik deutend.
Doch nicht als Wetterexperte
will er sich mit diesem Buch profilieren. Sein Thema ist vielmehr das Klima:
Er hält es für ausgemachten Blödsinn, daß eine Zunahme der
Kohlendioxid-Emissionen zu einer Verstärkung des Treibhauseffektes und damit
zu noch unabsehbaren Folgen führen könne. Dieser "Treibhaus-Schwindel" ist
seiner Meinung nach "eine Erfindung der Atom-Lobby, die von den Grünen
bereitwillig aufgegriffen und vermarktet worden ist".
Nicht nur, daß Thüne eine
drohende Erwärmung des Erdklimas bestreitet. Das läge ja noch einigermaßen
im Rahmen des wissenschaftlichen Meinungsstreits, denn die Klimaforscher
sind sich keineswegs einig darüber, wieweit die vermehrten CO2-Emissionen
den natürlichen Treibhauseffekt verstärken und so von einer Wohltat zur
Plage werden lassen könnten. Nein: Thüne bestreitet das Vorhandensein eines
Treibhauseffekts überhaupt. Und er beläßt es nicht beim bloßen Leugnen,
sondern bemüht die Thermodynamik, das Stefan-Boltzmannsche Gesetz und
sonstige physikalische Sachverhalte. Zum Schluß seines Buches bringt er
sogar auf sieben Seiten einen Auszug aus einem Lehrbuch der Theoretischen
Physik als angeblichen Beleg dafür, daß es so etwas wie einen
Treibhauseffekt gar nicht geben könne.
Für die Ohren von
Naturwissenschaftlern hört sich das allerdings ungefähr so an, als ob jemand
behaupten würde, daß zwei und zwei fünf ergibt, und dies dem staunenden
Publikum auch noch mit komplizierten Gleichungen und einem Auszug aus einem
mathematischen Lehrbuch beweisen wollte."
Hier
Lesetipps zu Literatur, die sich sachlich mit dem Klimawandel
auseinandersetzt:
www.sternreview.org.uk
„Der Klimawandel“
(mit Hans-Joachim Schellnhuber, C.H. Beck 2006)
Wie bedroht sind die Ozeane?“ (mit
Katherine Richardson, Fischer 2007).
Wichtiger Hinweis:
Der undotierte „Luftikuss“ ist ein satirischer Negativpreis!
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